Ostereier-Kunst in Bautzen: Kati Schmidts Hommage an Lady Di
Die Lady-Di-Kollektion ist schon ausverkauft. Kati Schmidt sitzt in ihrer Stadtwerkstatt in Bautzen und fräst mit einer kleinen zahnmedizinischen Ein…
Hier finden Sie den kompletten Artikel:
Fakten
- Die Lady-Di-Kollektion ist schon ausverkauft.
- Kati Schmidt sitzt in ihrer Stadtwerkstatt in Bautzen und fräst mit einer kleinen zahnmedizinischen Einheit weitere winzige Löcher in den zerbrechlichen Eier-Untergrund.
- Die Kunsthandwerkerin lächelt, schaut immer mal wieder auf die belebte Steinstraße und arbeitet konzentriert weiter.
- Das Muster wirkt wie feine Brüsseler Spitze.
- Vor der 46-Jährigen liegen nur noch drei Exemplare der Oster-Edition in Enzianblau, Pastellblau und Mauve.
- Pastellrosa ist längst vergriffen.
- Die Idee für die 2026er-Auflage entstand auf einer Reise.
- Kati Schmidt ist 46 Jahre alt.
- Sie fand Lady Di einfach toll, weil sie anders war als die anderen.
- Für die Bautzenerin stand fest: Dieser Ikone will ich ein kleines Andenken schenken.
- Diese Ostereier-Kunstwerke mit besonderer Geschichte sind inzwischen Kati Schmidts Bestseller.
- Sie vergleicht sie gern mit den Editionen der Herrnhuter Sterne.
- Auch auf diese exklusiven Farbvarianten gibt es inzwischen einen regelrechten Run.
- Die Geschichte ihres Kunsthandwerks beginnt jedoch mit einem Scheitern.
- Was aus einem verunglückten Ei alles werden kann
- Sagt sie und lacht.
- Vor gut zehn Jahren greift die gelernte Zahnarzthelferin erstmals zu ihrem tragbaren Zahnarztgerät, um Muster in Eierschalen zu fräsen.
- Ihr Interesse weckt die Kunst des Eierverzierens bei den Sorben.
- Als Kind hat sie sich darin auch probiert, allerdings in ihren Augen mit dem Prädikat „Ungenügend“.
- Ihre Mutter hebe die kleinen Kunstwerke trotzdem auf.
- Auch die ersten Versuche mit der zahnmedizinischen Fräse misslingen.
- Sobald das Werkzeug die Schale berührt hat, war das Ei kaputt.
- Aufgeben kommt für Kati Schmidt trotzdem nicht infrage: Ich wollte die Gewinnerin sein.
- Jedes Ei wird geprüft, einzeln, mit dem Fingernagel abgeklopft.
- Haarrisse siehst du oft nicht mal in der Sonne, aber du hörst sie.
- Bis zu 600 Eier kontrolliert sie so – nur die besten bleiben.
- Manche rettet sie noch für Beleuchtungsobjekte, doch die meisten zerbrechen.
- Die Technik hat die Bautzenerin aus ihrem ursprünglichen Beruf mitgebracht.
- Die Fräseinheit, die sie nutzt, ist eigentlich für Zahntechnik gedacht – zum Schleifen, Reinigen, Bearbeiten.
- Heute entstehen damit Kunstwerke.
- Lange war ihr Wohnzimmer Werkstatt und Lager zugleich.
- Doch mit wachsender Nachfrage wird der Platz knapp.
- Anfang 2024 eröffnet sie die Stadtwerkstatt in Bautzen.
- Es wird nicht nur ihr Produktionsort, sondern auch Treffpunkt für andere Kreative, ein Ort zum Austausch.
- Ich wollte auch unbekannten Künstlern und Kunsthandwerkern eine Chance geben.
- Das Konzept ist einfach: Das Regal gibt es zur Miete, und jeder macht beim Ladendienst mit.
- Schließlich betreiben die meisten ihre Leidenschaft parallel zur Arbeit, so wie eben auch Kati Schmidt.
- Sie ist als Außendienstlerin für Hobmaier Zahntechnik aus Wilthen unterwegs und schult Praxen im Umgang mit digitaler Technik – Neuland für viele Zahnarztpraxen.
- „Mein Job ist es, die Angst zu nehmen.“ Ein Satz, der sowohl auf den Zahnarztstuhl als auch zu ihrer eigenen Geschichte passt.
- Denn Angst vor dem Zerbrechen gehört bei ihrer Kunst dazu.
- Jedes Ei ist ein Risiko, jeder Handgriff entscheidet.
- Vielleicht beginnt deshalb Ostern für Kati Schmidt schon ein halbes Jahr früher.
- Farben werden geplant, Serien vorbereitet, Materialien bestellt.
- „Ab Januar kommen die ersten Vorbestellungen“, sagt sie.
- Für die Lady-Di-Kollektion hat sie sich dieses Jahr regionale Unterstützung geholt.
- Die Sprühfarben kamen von Edding.
- Wenn die Saison dann läuft, wird aus der Werkstatt eine Manufaktur – bewusst klein, bewusst handgemacht.
- „Wir wollen keine Massenware“, sagt Schmidt.
- Stattdessen entstehen Einzelstücke, personalisierte Eier, manchmal mit kleinen Anhängern oder Beleuchtung.
- Auch das Weitergeben ihrer Kunst gehört für sie dazu.
- Regelmäßig lädt sie zu Workshops, die Buchungen laufen über das gesamte Jahr.
- Da kommt auch mal ein Großvater mit seinen Töchtern und dem Enkel.
- Die Klassiker in Weiß nehmen auch gern Touristen als Mitbringsel aus Bautzen mit.
- Auch am Sonnabend vor Ostern ist die Stadtwerkstatt geöffnet, dann können sich Kinder und Familien selbst mit der zerbrechlichen Kunst ausprobieren.
- Außerdem sind die Künstler der Stadtwerkstatt mit ihrem Stand am 4. April auf der österlichen Einkaufsmeile und dem Ostermarkt auf dem Hauptmarkt zu finden.
- Für Kati Schmidt folgt nach dieser Hoch-Zeit mit „Ei-der-Daus“ zu Ostern eine Familienzeit – und das Ende der Fastenzeit ohne Fleisch, Süßes und Alkohol.
- Dann gibt es für sie nur eins: Ein Glas Sekt und eine Mon Chéri.
- Dann mache ich die Augen zu.“ Es ist der Moment, auf den sie jedes Jahr wartet – um dann gleich wieder neue Projektideen zu schmieden.
- Für ihr Label „Ei-der-Daus“ gibt es inzwischen nämlich auch eine Homepage, ein virtueller Shop soll noch angeschlossen werden.
- Und wer weiß, vielleicht entsteht beim Müßiggang auch die Idee für das Ostereier-Special 2027.
- Stadtwerkstatt Bautzen, Steinstraße 15 in Bautzen
- Öffnungszeiten am Karsamstag: 10 bis 13 Uhr.